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Donnerstag, 24. April 2014

All is lost

Eine gewaltige Ein-Mann-Show von Altmeister Robert Redford - und ein gewagter Film, reduziert auf das Drama eines schiffbrüchigen Mannes im Kampf gegen die Gezeiten und um sein Leben. Da war das Casting für einmal rasch abgeschlossen, denn ausser Robert Redford spielt in diesem Streifen... niemand. Wobei das auch nicht ganz stimmt, denn die zweite Hauptrolle wird durch das Meer und seine verschiedenen Facetten um nicht zu sagen Grimassen verkörpert. Dass der Film dabei gänzlich ohne Dialoge auskommt versteht sich da von selbst und auch die Monologe beschränken sich auf einige wenige Funksprüche und Schimpfwörter. Der grosse Rest ist Stille, Tosen, Kämpfen, Hoffen, Verzweifeln... Da kommen natürlich Erinnerungen an Hemingways "Der alten Mann und das Meer" auf (das Buch, aber auch die tolle Verfilmung mit Spencer Tracy) und irgendwie auch an moderne Sachen wie "Open Water" oder "Todesstille" (mit Sam Neill und Nicole Kidman) und doch verdient "All is lost" seinen eigenständigen Eintrag in die Filmhistorie.

Dienstag, 31. Dezember 2013

The Broken Circle

Dieser belgisch-holländische Film ist harte Kost. Gewinner des Panorama Publikumspreises an den Festspielen in Berlin, trifft uns hier ein an Tragik kaum zu überbietendes Beziehungsdrama mit geballter Wucht und hallt noch lange nach. Die Darsteller sind grandios, zu Recht gab es den Europäischen Filmpreis für Veerle Baetens als beste Hauptdarstellerin. Toll sind natürlich auch die Auftritte der Bluegrass Band, eine willkommene Ablenkung von der Dramatik der Story. Das lose Aneinanderreihen von Szenen und Fragmenten aus der Gegenwart oder Vergangenheit ist zwar anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, ergibt aber letztlich ein stimmiges Gesamtbild.

Sonntag, 2. Juni 2013

Django Unchained

Der neue Tarantino gefällt über weite Strecken trotz Überlänge. Der Kult-Regisseur bedient sich der Kult-Western-Figur Django, wobei er in seiner gewohnten Art ein ästhetisch gefilmtes, mit Witz und Brutalität gespicktes Sklavenbefreiungs-Melodrama abmischt. Einen schwarzen Sklaven als Django (Jamie Foxx) zu besetzen ist durchaus ziemlich frech und mutig - mit Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson stellt Tarantino aber eine Nebendarsteller-Crew auf die Beine die ihresgleichen sucht und auf der Höhe der Schauspielkunst zu agieren vermag. Die Dialoge sind wie immer geschliffen scharf, die Bilder prächtig inszeniert, das Blut spritzt schön tomatig-rot wie eh und je, der Soundtrack rockt und die Story, naja, die Story ist ziemlich konventionell und trotz oder gerade wegen der vielen Referenzen an bekannte Western etwas altbacken.

Freitag, 24. Mai 2013

Cloud Atlas

Tom Tykwer ("Das Parfum") und die Wachowski Geschwister ("Matrix") wagten sich an den als unverfilmbar geltenden Roman von David Mitchell. Selten sowas gesehen... fünf/sechs verschiedene Erzählstränge in den unterschiedlichsten Epochen der Menschheit werden in Staccato zum Teil mit den gleichen Schauspielern erzählt. Insbesondere Tom Hanks, aber auch Hugh Grant, Halle Berry, Jim Sturgess verbüffen mit ihren Verwandlungskünsten, daneben geht die rote Linie des Films in den unzähligen Schnitten innert kürzester Zeitspanne doch eher verloren. Teilweise wird alle zehn Sekunden die Erzählebene und damit auch die Epoche gewechselt, da muss man dann schon Obacht geben, dass man keiner Reizüberflutung erliegt. Aber insgesamt ein visuelles und zum Nachdenken anregendes Feuerwerk...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Anna Karenina

Der neue Film von Joe Wright wiederum mit der wunderbaren Keira Knightley (Pride & Prejudice, Atonement) nach dem weltbekannten Roman von Lew Tolstoi ist ein Wagnis. Die ganze Szenerie wird quasi in ein historisches Theatergebäude verlegt und die Schauspieler wechseln zwischen Zeitebenen und Örtlichkeiten indem sie sich von Tür zu Tür und Stockwerk um Stockwerk durchs Theater bewegen. Sowas hat man selten gesehen, gerade im Film, wo sich doch unendliche Möglichkeiten für Aussenaufnahmen und Trickmanipulationen bieten würden (und mit dieser Inszenierung ungenutzt bleiben). Doch nach den ersten gewöhnungsbedürftigen 10 Minuten überzeugt die Konzeption nach und nach und entwickelt ihren eigenen Charme. Wenn man einen solchen Klassiker wie Anna Karenina heutzutage verfilmt, dann durchaus mit einer solch eigenartigen, verwirrenden Variation.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Quartet

Das Regiedebut des 75jährigen Dustin Hoffman... Einwandfrei gespielt von einer tollen, handverlesenen Crew - alle Hauptrollen sind mit erstklassigen Schauspielern älteren Semesters besetzt, und obwohl das Klischee vom Wein der je älter je besser schmeckt abgedroschen klingt, trifft es hier vollumfänglich zu. Einen oder eine speziell hervorzuheben wäre unfair, hier gilt der tosende Schlussapplaus dem ganzen Ensemble. Vielleicht liegt der Erfolg dieses Films auch darin, dass einige der Damen und Herren tatsächlich aus der Sparte Oper/Musical stammen und diese innere Freude und Befriedigung an der Musik perfekt transportieren. Die Versuchung für Dustin Hoffman, sich selbst in eine der Rollen dieser liebenswerten älteren Musikliebhaber zu schreiben, muss wohl gross gewesen sein und es gebührt ihm ein ebensolches Lob dieser Versuchung widerstanden zu haben. Nicht dass man ihm nicht zugetraut hätte schauspielerisch mitzuhalten, doch diese erfrischende, betagte Crew aus eher unbekannten Gesichtern trägt mit ihrem eigenen Charme den ganzen Film und da hätte Weltstar Hoffman zuviel Aufmerksamkeit abgesaugt. Ein echtes, warmherziges Feelgood-Movie!

Sonntag, 25. November 2012

This Must Be The Place

Schräg, schräg... Zuerst muss man sich etwas angewöhnen.... an Sean Penn wie er mit näselnder Stimme und schlurfendem Gang einen auf abgehalfterten Robert Smith (the cure) macht und auch an die Langsamkeit und Skurrilität der Verfilmung. Doch wer sich darauf einlässt, den erwartet ein kleines Bijoux, mit wunderbaren Farbtönen geschminkt, aus einer ansteckenden Langsamkeit strahlend. Die Story nimmt nach einem gemächlichen Beginn eine eher unerwartete Wendung hin zum Road-Movie, was leicht auseinanderfallen könnte hält hier aber Sean Penn mit seiner Präsenz zusammen. Einige Nebenstränge verlieren sich etwas unverhofft, doch die zahlreichen schrägen Figuren und Szenen erstaunen immer wieder und hinterlassen einen bleibenden Eindruck... 

Freitag, 26. Oktober 2012

Robot & Frank

Mit ruhiger und gradliniger Hand inszeniert Jake Schreier sein brillantes Debut, die Figuren bleiben einem jederzeit nah und selbst in der Interaktion mit dem Roboter verleiht die Kameraführung der Handlung menschliche Wärme. Ein dezenter Humor findet ebenfalls Platz, nicht zuletzt in Anspielung auf die Schwächen der Hauptfiguren so z.B. die zunehmende Demenz der Hauptfigur oder die programmspezifischen Fähigkeiten des Roboters. Während das Ende eher konventionell anrührend daherkommt, gilt es den doch überraschenden Twist in der Mitte des Film hervorzuheben, wo sich Frank über die wahre Rolle der Bibliothekarin in seinem Leben bewusst wird. Als Zuschauer war man da so arglos wie Frank selbst und fühlt sich diesbezüglich entfernt aber angenehm an herausragende Vorbilder wie „The Sixth Sense“ oder „Tricks“ erinnert.

Insgesamt eine angenehm sympathische Kriminalkomödie mit erstaunlich viel Tiefgang auf den zweiten Blick.

Freitag, 19. Oktober 2012

Lars und die Frauen

Donnerstagnacht in Delikatessen SF1 gesehen: Ein wunderbar warmherziger Film mit einem grossartigen Ryan Gosling als liebenswerter Sonderling Lars, der seiner Schüchternheit und Vergangenheit wegen Probleme mit den Frauen hat. Toll gespielt, liebevoll inszeniert und mit einer wirklich klugen und sympathischen Story voller Humor und Tragik - mehr wünscht man sich eigentlich nicht von einem guten Film.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Moonrise Kingdom

Das neuste Werk von Querkopf -Regisseur Wes Andersson (The Royal Tenenbaums, The Darjeeling Limited) lässt einen in eine wunderbare Welt aus schrägen Figuren und schrillen Farben abtauchen. Die Geschichte zweier entlaufener Teenager (wunderbar dargestellt) und der verzweifelten Suche nach ihnen ist hierbei eigentlich eher Nebensache, vielmehr gibt es ein Sammelsurium an optischen und akustischen Entdeckungen zu machen und das Staraufgebot (Bruce Willis, Bill Murray, Edward Norton, Harvey Keitel, Tilda Swinton,...) hat sichtlich Spass am Dreh... 

Montag, 3. September 2012

The Way Back

Am Samstag angeschaut, der neue Film von Peter Weir, welcher grossartige Werke wie "Dead Poets Society", "The Truman Show" und "Master and Commander" verantwortet. Mit gemischten Gefühlen in dieses 127 Minuten lange Drama der hochriskanten Flucht einer zusammengewürfelten Gruppe aus einem Gefangenenlager in Sibirien über die Mongolei bis hin nach Indien gestartet, ist doch für den Zuschauer bei einer solchen Verfilmung meist die grösste Gefahr diejenige eines Genre-typischen Handlungsverlaufs mit platten Figuren und sich abzeichnendem Happy-Ending. Doch weit gefehlt, hier sind die Rollen toll besetzt, die Charaktere wirken in ihrem Handeln und Leiden immer glaubwürdig, die (wahre) Geschichte fasziniert und letztlich (und ganz wichtig): Langeweile kommt wirklich nie auf. Sucht man den kleinen Wermutstropfen, dann vielleicht die allerletzten zwei Minuten, die etwas zu pathetisch geraten sind (Hollywood geschuldet wohl)...

Dienstag, 10. Juli 2012

Cosmopolis

Der neue Film von David Cronenberg ("A History of Violence", "Eastern Promises") überzeugt nach kurzer Angewöhnungszeit weitestgehend. Irgendwo zwischen der modern glänzenden Oberflächlichkeit von "Shame" und der vital-brachialen Melancholie von "Drive" angesiedelt und mit einer Prise "Wall Street" gewürzt, wird uns da ein kleines Meisterstück serviert. Das Setting ist gewöhnungsbedürftig (weite Teile der Handlung spielen sich in einer mit Kork schalldicht isolierten Luxus-Limo ab) aber verblüffend ausdrucksstark, die Aussenwelt klopft hin und wieder bedrohlich an das Sicherheitsglas, doch primär droht die Gefahr aus dem Innern der Gefühlswelt. Dann diese existentalistischen Dialoge, welchen man zuerst noch zu folgen versucht, mit fortlaufender Dauer jedoch bemerkt, dass sie vielmehr dazu dienen einen unheimlichen Sog hin zur Aussichtslosigkeit, Bedeutungslosigkeit, Hilflosigkeit, Fremdheit und letztlich Sinnlosigkeit zu vermitteln. Und: Robert Pattinson überzeugt erstmals als Schauspieler (ohne Vampirzähne), ebenso natürlich die Gastauftritte von Juliette Binoche und Paul Giamatti. Einzig für die paar Logiklücken und Unplausibiltäten im Handlungsverlauf gibt's leichte Abzüge.

Freitag, 25. Mai 2012

Nothing Personal

Ein stiller, aussergewöhnlicher Film über zerbrechliche Menschen, die an ihren Geschichten nagen und sich nach Enttäuschungen und Schicksalsschlägen langsam wieder ans Leben wagen. Dabei wird eindrücklich gezeigt, wie schwer es ist nach und nach wieder Vertrauen in andere Menschen zu gewinnen und eine Beziehung aufzubauen. Toll gespielt, eindringliche Atmosphäre.

Freitag, 20. Januar 2012

Drive

Hat das Potenzial zum Kultfilm, tolles Opening, cooler Soundtrack, grandiose Schauspieler (Ryan Gosling, Carey Mulligan vorab, aber auch die Nebenrollen) und ungemein atmosphärisch gefilmt. Natürlich könnte man nun "style over substance" monieren, doch wenn der Stil so viel Spass macht und so ansehnlich ist, dann kein Problem! Leider fällt der Film aber in der zweiten Hälfte etwas ab, nicht nur (aber auch) wegen der zum Teil wirklich unnötig brutalen, unvermittelten Gewaltakte. Trotzdem ein sehenswerter, eindrücklicher Streifen mit einem grossartigen Ryan Gosling, an dem im Moment wohl niemand vorbeikommt (Oscar?)...

Dienstag, 10. Januar 2012

Melancholia

Bildgewaltiges Epos von Dogma-Filmer Lars von Trier. Für mich sein bester Film mit Abstand... aber das ist, wenn ich ehrlich bin, auch nicht so schwer, denn ich hatte meine liebe Mühe mit "Breaking the Waves", "Dogville", "Dancer in the Dark" und vorallem "Antichrist". In dieser Linie ist "Melancholia" wohl der zugänglichste Film. Doch auch hier muss man sich durch einige Längen durchbeissen und die Wackelkamera verursacht zuweilen ziemliche Schwindelattacken. Das ca. 8 Minuten lange Intro ist allerdings allererste Klasse, so schön verfilmt hat man den Weltuntergang auf der Leinwand noch nie gesehen. Dann heisst es sich zusammen mit der tollen Kirsten Dunst 120 Minuten lang durch die Depression zu kämpfen, bis man zum Schluss richtiggehend froh ist, dass die Welt endlich endlich endgültig untergeht... Das Eigenartige: während des Films hasst man diese quälend langsame Inszenierung, im Nachhinein hat man komischerweise trotzdem das Gefühl an etwas Grossartigem teilgenommen zu haben.

Montag, 9. Januar 2012

Dreiviertelmond

Ein kleine, aber ganz feine Tragikomödie mit brillianten Schauspielern und klugen (witzigen) Dialogen aus Deutschland. Elmar Wepper (nein, nicht der Harry, sondern dessen talentierterer älterer Bruder) überzeugt nach "Kirschblüten" von Dorris Dörrie (2008) einmal mehr als kauziger, bärbeissiger Eigenbrödler der den Abgang seiner Frau und den ungewollten Zuwachs eines türkischen Mädchens hinnehmen muss. Und wer jetzt viel Kitsch und programmiertes Happy-End erwartet, täuscht sich... Diese kleine Perle findet den schmalen Pfad zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit und schliesslich sogar ein stimmiges Ende ohne grosses Pathos.

Freitag, 16. Dezember 2011

The Ides Of March

George Clooney betätigt sich einmal mehr als Regisseur und Darsteller gleichzeitig - und er tut beides mit Erfolg. Ein Politthriller der alten Schule, jedoch mit einer sehr modernen Umsetzung und durchs Band überzeugender Besetzung (u.a. Ryan Gosling, Paul Giamatti, Philip Seymour Hoffmann, George Clooney), spannend bis zum Schluss. Ryan Gosling gibt den windigen Wahlkampfmanager glaubwürdig und läuft an der Seite der Schwergewichte Hoffmann und Giamatti zu Hochform auf. Auch Kameraführung und Inszenierung lassen nichts zu wünschen übrig, Daumen hoch, Herr Clooney!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

des hommes et des dieux

"Die Blumen auf dem Feld bewegen sich nicht vom Platz um die Sonne zu finden."
Bewegendes Drama über das Leben christlicher Trappistenmönche in einem abgelegenen Kloster im Atlasgebirge in Algerien. Ein stiller Film, umso eindrücklicher wirken die kleinen Gesten und die Geschichte spielt sich häufig schlicht und einfach in den Gesichtern der Beteiligten ab. Das ist natürlich grosses Kino, auch wenn zu Beginn das Ganze etwas stark an einen Dokumentarfilm erinnert, gewinnt der Film je näher der dramatische (und bekannte) Höhepunkt droht umso mehr an Fahrt und Emotionen. Die Selbstaufopferung, mit welcher die Mönche schliesslich ihr Schicksal hinnehmen, bleibt unerreicht und hinterlässt selbstverständlich auch gemischte Gefühle.

Freitag, 25. November 2011

Carnage

Der neue Film von Roman Polanski, heute im Lunchkino gesehen. Clever inszeniertes Kammerspiel mit grandiosen Schauspielern! Von der Eröffnungsszene bis zur Schlusssequenz brilliant, amüsant und niemals langweilig, ein kleines Schmuckstück und wieder mal wird bewiesen, dass es für einen tollen Film nicht viel mehr als (4) gute Schauspieler, einen gut ausgeleuchteten Schauplatz (Wohnstube) und schlaue Dialoge braucht. Sehr nahe am 6. Stern.

Freitag, 12. August 2011

Was nützt die Liebe in Gedanken

Poetisch, melancholisch, verträumt... ein einnehmender deutscher Film, nach einer guten Flasche Rotwein genossen sinnlich bis in alle Poren, Sturm und Drang bis zum finalen Gewitter. Konsequent verfilmt mit tollen Darstellern. Sicherlich nicht jedermanns Sache, meine aber schon...