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Sonntag, 6. April 2014

Die Wunderübung

Das neue Buch von Daniel Glattauer ("Gut gegen Nordwind", "Alle sieben Wellen"). Die Begeisterung der soeben zitierten Vorgänger-Werke hallt immer noch nach und deshalb landet Glattauer auch nach dem eher bescheidenen "Ewig Dein" (2012) mit jedem neuen Buch auf meinem Radar. Die Wunderübung entpuppt sich als zwar süffig lesbares, unterhaltsames, aber auch ziemlich dünnes (nicht nur physischer Art) Werk. Im Sinne eines amüsanten, kurzen Theaterstücks sieht man die Figuren vor dem inneren Auge bildhaft agieren, wobei die eine oder andere Macke doch etwas übertrieben dargestellt wird und nach billigen Lachern schielt. Insgesamt ideal für einen Kurzstreckenflug, einen lauen Sommerabend oder halt doch einen verregneten Sonntag - je nach Belieben.

Sonntag, 8. September 2013

Nacht ist der Tag

Der neue Roman von Peter Stamm. Eine Frau verliert durch einen schweren Unfall nicht nur ihren Mann sondern auch ihr Gesicht und damit einen wichtigen Teil ihrer Identität. In der abgeschiedenen Bergwelt findet sie nach und nach Gefallen an ihrem neuen Job als Animatorin, an einem Künstler in Schaffenskrise und schliesslich an einem möglichen Neuanfang ihres Lebens. Wenn sich ein Roman in dieser Art zusammenfassen lässt, ohne dass ihm dabei allzu stark unrecht getan wird, dann fehlt offensichtlich der entscheidende Glanz. Wohlbemerkt, auch diesen Stamm habe ich gern gelesen, keine Frage. Doch nach dem begeisternden Erzählband "Seerücken" waren die Erwartungen hoch, zu hoch vielleicht. Insgesamt ein ordentliches Werk, leider aber irgendwo am Nachmittag angesiedelt, weder richtig heller Morgen und schon gar nicht schöne dunkle Nacht... 

Montag, 14. Januar 2013

Die Zeit, die Zeit

Der neue Roman von Martin Suter. Meiner Meinung nach ganz gut gelungen. Ein Ausflug ins ScienceFiction-Metier (ohne Weltraum und Aliens natürlich) mit klar gezeichneten Figuren und einem stimmigen Spannungsbogen bis zum Schluss. Die akribische Aufzählung der Gartenarbeiten der beiden Gefährten der Vergangenheitsbewältigung verleitet hin und wieder zu etwas zügigerem Lesen, was aber dem Erzählfluss letztlich nicht schadet. Auch hier gibt es wieder mal ein Ende nach dem Ende, eigentlich schade, das letzte Kapitel ist wohl dem Optimismus und der Hoffnung geschuldet. Eine gute, unterhaltsame Lektüre allemal.

Montag, 31. Dezember 2012

Verteidigung der Missonarsstellung

Rechtzeitig zum Jahresende habe ich erfolgreich die Missionarsstellung verteidigt und den neuen Roman von Wolf Haas beendet. Was innovative Erzählweise und grafische Ausgestaltung angeht wohl das überraschendste und beste Buch seit langem. Schon alleine der Mut und die Unverfrorenheit der Umsetzung verdienen Anerkennung und mindestens einen Stern extra. Die eigentliche Story vermag da nicht ganz mitzuhalten, obwohl auch die sich kreativ und amüsant anlässt, handelt sie doch von einem gewissen Benjamin Lee Baumgartner, welcher sich immer dann verliebt, wenn auf der Welt eine gefährliche Seuche ausbricht (Rinderwahn, Vogelgrippe, Schweinegrippe, SARS). Textlich schwankt der Roman "ungefähr oder genau" zwischen genial und biederem Durchschnitt, Abzüge gibt es auch dafür, dass mehrere Romanfiguren mit den selben Sprachfehlern kämpfen, was auf Dauer den Witz verliert. Insgesamt aber ein unterhaltsames, gelungenes Buch das den Leser immer wieder überrascht! 

Mittwoch, 12. September 2012

Blumenberg

Ein herausforderndes Buch, das hohe Niveau sprachlich wie auch erzählerisch verlangt die ganze Aufmerksamkeit des Lesers, vielleicht gerade deshalb hat sich meine Lektüre über Monate hinweg verzögert. Doch es kann nicht Fehler des Buches sein, wenn sich der Leser im Alltagstrott verzettelt und dadurch zusehends Mühe hat sich in der Geschichte nach Lesepausen wieder zurechtzufinden. Auffallend ist die unglaublich schöne sprachliche Ausdrucksweise, die vielen treffenden Vergleiche und Metaphern und die warmherzige Betreuung der Figuren, selbst wenn diese eigentlich durchwegs dem frühen oder späten Tode zugeführt werden. In jedem Fall eine Empfehlung, vielleicht nicht gerade als leichte Strandlektüre, doch im Hinblick auf den kommenden Winter fürs frühe Eindunkeln am knisternden Kaminfeuer geeignet...

Mittwoch, 25. April 2012

Vom Ende einer Geschichte

Booker-Preis 2011 für Julian Barnes mit "The Sense of an Ending", in der deutschen Übersetzung gelesen. Ein tolles Buch, von der Konzeption und der Charakterisierung des Protagonisten her ein bisschen an Peter Stamms Werke erinnernd. Die Story, beginnend in den wilden Jugendjahren, wird uns von der gealterten Hauptfigur etwas verklärt auf ihr Leben rückblickend Stück um Stück enthüllt, wobei der Leser immer stärker in den Sog der Geschichte hineingezogen wird und immer häufiger an der Wahrnehmung des Erzähler zu zweifeln beginnt... Ein wunderbarer Schlusssatz entschädigt für die leicht aufgesetzte überraschende Enthüllung im Finale.

Montag, 9. April 2012

Ewig Dein

Über die (nasskalten) Ostertage gelesen: Der langerwartete neue Roman von Daniel Glattauer ("Gut gegen Nordwind", "Alle sieben Wellen") bietet solide Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger. Judith und Hannes sind die Hauptfiguren, doch sie sind weit davon entfernt Emmi und Leo (aus den vorgenannten Werken Glattauers) auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Und dies liegt nicht nur daran, dass die Liebe der Beiden von Beginn weg unter einem schlechten Stern steht. Nein, Judith und Hannes sind als Charaktere schlicht zu schemenhaft geraten, wie im Übrigen (leider) auch alle Nebenfiguren. Was im besten Fall von der Story her ein kleiner Hitchcock hätte werden können, bleibt somit, trotz einiger gelungener sprachlicher Wendungen, zumeist Stückwerk.

Dienstag, 3. Januar 2012

Die besten Bücher des (Blog-)Jahres 2011

1. Peter Stamm: Seerücken


 
2. Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil



3. Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen


Montag, 5. Dezember 2011

Die kalte Schulter

Nach "Zündels Abgang" (1984), "Festland" (1996) und "Am Hang" (2004) mein drittes Buch von Markus Werner und irgendwie hat mich "Die kalte Schulter" (1989) fast ein bisschen fröstelnd zurückgelassen. Doch möglicherweise lag es daran, dass mir Festland und Am Hang so gut gefallen hatten und die Erwartungen entsprechend gross waren. Leider wiederholen sich die Figuren und ihre Handlungsweisen, so könnte der Zündel ohne weiteres der direkte Cousin von Wank (die kalte Schulter) sein und dieser wiederum der Halbbruder von Loos (Am Hang), während Steinbach (der Vater in Festland) einen perfekten Onkel all dieser Protagonisten abgäbe. Insgesamt trotzdem sicher lesenswert, auch hier finden sich wieder einige sehr gut getroffene Dialoge über das Leben und seine Unzulänglichkeiten...

Samstag, 8. Oktober 2011

Festland

Lange lange im Büchergestell gelagert, vergessen, wieder in der Hand gehalten, weggelegt, und nun endlich auf langen Zugfahrten in England und auf dem Flughafen innert wenigen Tagen verschlungen. Ein Buch wie ein modernes Ornament über das Leben und die Liebe mit allen Facetten. Wer "Am Hang" mochte, der kommt auch hier voll auf seine Kosten, und das könnte dann auch der einzige Kritikpunkt sein, in Aufbau und Dramaturgie erinnert einiges an den "Hang", obwohl man da "Festland" unrecht tut, denn dieses Buch schrieb Markus Werner einige Jahre zuvor...

Sonntag, 18. September 2011

An einem Tag wie diesem

Einmal mehr Peter Stamm, im zweiten Teil der Ferien in Südengland (Isle of Wight) gelesen. Ein rastloser, oberflächlicher Protagonist, der zu keiner echter Freundschaft oder gar Liebe fähig scheint, taumelt launig und beliebig durch sein eigenes und das Leben anderer. Obwohl sich auch dieser Stamm leicht und mit Genuss liest, so blieb mir diesmal die Geschichte doch ziemlich fremd und erschient mir zeitweise auch etwas aufgesetzt und konstruiert. Und trotzdem freue ich mich bereits auf meinen nächsten Stamm...

Sonntag, 11. September 2011

Der Glückliche

Zufällig in einer Bücherbrockenstube auf diesen Roman von Hansjörg Schertenleib gestossen und nun in den Ferien in Schottland gelesen, und obwohl die Geschichte sich öfters in engen spährischen Jazzclubs in Amsterdam abspielt,  kam auch die Stimmung in englischen Pubs mit Live-Bands irgendwie passend zur Lektüre... Inhaltlich handelt es sich um ein leichtes, flüssiges Buch in welchem man zwar schon rasch erahnt, dass dem "Glücklichen" doch irgendwo hinter dem Vorhang noch das Schicksal auflauert, was aber keineswegs den Lesegenuss schmälert. Einige ganz schöne Metaphern und Weisheiten übers Leben bekommt man sozusagen im Liegewagen nebenbei serviert, ein Buch das man zwar vielleicht nicht für immer in Erinnerung behält, dafür aber auch gut und gerne nach ein paar Jahren noch ein zweites Mal lesen kann...

Sonntag, 3. Juli 2011

Léon und Louise

Alex Capus ("Der König von Olten") neuer Roman schildert eine romantisch-tragische Lebensgeschichte vor dem Hintergrund zweier Weltkriege. Neben den beiden Titelfiguren, die sich in jungen Jahren in einander verlieben, sich dann jedoch immer wieder aus den Augen verlieren, fasziniert in diesem Buch vorallem wie Capus immer wieder ganz beiläufig Episoden und Anekdoten aus den Kriegsjahren einfliessen lässt. So liest man nicht nur eine Liebes- und Lebensgeschichte, sondern erfährt nebenbei sehr viel Interessantes über das Leben in Frankreich während des 1. und 2. Weltkrieges.

Montag, 13. Juni 2011

Inselsommer

Nein nein, hat nichts mit dem gleichnamigen Inga-Lindström-Film zu tun... Hier geht es um einen pummeligen, schrulligen Übersetzer, der in seinem selbst gewählten Exil auf einer französischen Atlantik-Insel an der Aufgabe, ein Werk von Vladimir Nabokov ("Ada") auf französisch zu übersetzen, beinahe scheitert... Eine gelungene Mischung mit den Themen Inselleben, Liebe, Erinnerungen und natürlich der Frage wie übersetzt man Nabokov...

Donnerstag, 2. Juni 2011

Mit der Endurance ins ewige Eis

Lesetipp von Andreas. Im Rahmen einer sorgfältig geplanten Antarktisexpedition in der Zeit des ersten Weltkrieges erleben Sir Ernest Shackleton und seine Gefolgsleute eine Katastrophe nach der anderen und müssen sich unter unglaublichen Strapazen gegen Eis, Wind, Wetter, Hunger und Durst bis zur wundersamen Rettung durchkämpfen. So eindrücklich diese Erlebnisse von Sir Shackleton selbst (erste Auflage 1919!) im Detail dargestellt werden, so klar handelt es sich hierbei um einen Erlebnisbericht und nicht um Literatur. Sätze wie "... und wir harrten der Dinge die da kommen sollten...", "....nie verloren wir die Zuversicht und den Humor..." usw. sind so eigentlich nicht ohne Stirnrunzeln lesbar, doch in Anbetracht der damaligen Strapazen und der Zeit in welcher der Reisebericht verfasst wurde, sei dies Sir Shackleton verziehen. Doch auch inhaltlich wird leider vielfach von treuer Ergebenheit, Durchhaltewillen und dem nie verlorenen Humor der Männer geschrieben ohne je näher darauf einzugehen, was denn die Quelle (psychologischen Ursprungs) dieser Verhaltensweisen gewesen wäre... so bleibt leider das eigentlich Interessante, wie man nämlich solche Strapazen psychisch und nicht nur körperlich überstehen kann, im ewigen Eis verschollen...

Mittwoch, 1. Juni 2011

Zündels Abgang

Um dem Stamm-Virus etwas Einhalt zu gebieten, habe ich einen Abgang gemacht und mich Markus Werner ("Am Hang") zugewandt. Ein wahrhaftig zynischer Abgesang auf einen sich kontinuierlich selbst zerstörenden und eigenständig in den Abgrund stossenden Zeitgenossen, der einem doch irgendwie ein bisschen sympathisch bleibt. Wer hat nicht auch schon im Leben Momente erlebt, wo man am liebsten den Bettel hingeschmissen hätte und einfach nach Genua verreist wäre ohne weitere Spuren zu hinterlassen...? Zündel macht es. Zwar taucht er nochmals auf, doch nur um sich dann endgültig von dieser realen und herzlosen Welt zu verabschieden. Stark, frech, zynisch, bitter und irgendwie steckt halt doch ein bisschen Zündel in uns allen (aber zum Glück besiegen wir ihn immer wieder...).

Dienstag, 31. Mai 2011

Ungefähre Landschaft

Wie angekündigt bin ich Peter Stamm vorerst treu geblieben. Und wie das so ist wenn die Erwartungen hoch sind, mündet bereits ein gehaltenes Niveau in einer leichten (aber wirklich nur leichten) Enttäuschung... Wieder fasziniert Stamm mit seinen kurzen, aber unheimlich präzisen Sätzen und Bildern. "Der Morgen war silbern und klar." oder "Als die Polarlys am nächsten Tag Hammerfest anlief, war am Himmel eine erste Ahnung von Licht." Wunderbar. Und doch blieb mir dieses Mal die Geschichte etwas fremd, voran es liegt kann ich selbst nicht genau festlegen, vielleicht kam mir die Hauptfigur zu wenig nah, irgendwie war da immer diese Distanz zum Geschehen im Buch und obwohl der Spannungsbogen durchaus bis zum Ende hoch gehalten wird, berührte mich das Schicksal der Figuren nicht wirklich direkt sondern eben nur "ungefähr"... Aber insgesamt sicher trotzdem ein tolles Buch.

Freitag, 13. Mai 2011

Agnes

Nach Seerücken hat mich ein kleines Stamm-Virus befallen, ich gebe es ja zu, und so habe ich in Verbania auch gleich einen seiner älteren Romane verschlungen: Agnes. Die Geschichte einer Liebe wie sie sich jederzeit überall ergeben könnte, mit einem wunderschönen romantischen Anfang wo alles passt und glänzt, mit den Wirrungen und Abnützungen in der Mitte und mit einem melancholischen aber passenden Schluss. Liest sich wirklich in einem Zug und ist nie kitschig, was ich an Peter Stamm sehr schätze. Und ja, mein nächstes Buch ist auch ein Stamm...

Mittwoch, 4. Mai 2011

Seerücken

Die neuen Erzählungen von Peter Stamm. Die passende Lektüre für einen 4-tägigen Kurzurlaub am sonnigen Lago Maggiore (Verbania). Eigentlich bin ich ja nicht unbedingt ein Freund von Kurzgeschichten, muss aber hier anerkennen, dass es Ausnahmen gibt und dieses Buch toll gelungen ist. Jede der Geschichten ist in ihrer Art eigentümlich, bemerkenswert, durchdringlich und auch etwas schräg, verstörend. Mir hat's sehr gefallen, trotz des kargen, nüchternen Stamm-Stils kommen einem die Figuren sofort nahe.

Donnerstag, 21. April 2011

Idylle mit ertrinkendem Hund

Ein Buch das mich ziemlich ratlos hinterlässt. Der Autor berichtet - offenbar autobiographisch - über seine Schlaf- und Sprachlosigkeit verursacht durch den tragischen Tod seiner Tochter bei einem Wanderunfall. Offensichtlich ein Versuch, das Geschehene literarisch zu verarbeiten, z.B. unter Beizug des fiktiven und skurrilen Lektors Dr. Beer, welcher unverhofft zu Besuch kommt. Die Geschichte mit dem ertrinkenden Hund strotz zwar vor Symbolik, vermag mich aber nicht vollends zu berühren. Irgendwie bleibt vieles nur ansatzweise angedeutet oder sogar oberflächlich (allerdings ist das Buch auch nur ca. 110 Seiten lang).