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Sonntag, 8. September 2013

Nacht ist der Tag

Der neue Roman von Peter Stamm. Eine Frau verliert durch einen schweren Unfall nicht nur ihren Mann sondern auch ihr Gesicht und damit einen wichtigen Teil ihrer Identität. In der abgeschiedenen Bergwelt findet sie nach und nach Gefallen an ihrem neuen Job als Animatorin, an einem Künstler in Schaffenskrise und schliesslich an einem möglichen Neuanfang ihres Lebens. Wenn sich ein Roman in dieser Art zusammenfassen lässt, ohne dass ihm dabei allzu stark unrecht getan wird, dann fehlt offensichtlich der entscheidende Glanz. Wohlbemerkt, auch diesen Stamm habe ich gern gelesen, keine Frage. Doch nach dem begeisternden Erzählband "Seerücken" waren die Erwartungen hoch, zu hoch vielleicht. Insgesamt ein ordentliches Werk, leider aber irgendwo am Nachmittag angesiedelt, weder richtig heller Morgen und schon gar nicht schöne dunkle Nacht... 

Montag, 14. Januar 2013

Die Zeit, die Zeit

Der neue Roman von Martin Suter. Meiner Meinung nach ganz gut gelungen. Ein Ausflug ins ScienceFiction-Metier (ohne Weltraum und Aliens natürlich) mit klar gezeichneten Figuren und einem stimmigen Spannungsbogen bis zum Schluss. Die akribische Aufzählung der Gartenarbeiten der beiden Gefährten der Vergangenheitsbewältigung verleitet hin und wieder zu etwas zügigerem Lesen, was aber dem Erzählfluss letztlich nicht schadet. Auch hier gibt es wieder mal ein Ende nach dem Ende, eigentlich schade, das letzte Kapitel ist wohl dem Optimismus und der Hoffnung geschuldet. Eine gute, unterhaltsame Lektüre allemal.

Montag, 9. April 2012

Ewig Dein

Über die (nasskalten) Ostertage gelesen: Der langerwartete neue Roman von Daniel Glattauer ("Gut gegen Nordwind", "Alle sieben Wellen") bietet solide Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger. Judith und Hannes sind die Hauptfiguren, doch sie sind weit davon entfernt Emmi und Leo (aus den vorgenannten Werken Glattauers) auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Und dies liegt nicht nur daran, dass die Liebe der Beiden von Beginn weg unter einem schlechten Stern steht. Nein, Judith und Hannes sind als Charaktere schlicht zu schemenhaft geraten, wie im Übrigen (leider) auch alle Nebenfiguren. Was im besten Fall von der Story her ein kleiner Hitchcock hätte werden können, bleibt somit, trotz einiger gelungener sprachlicher Wendungen, zumeist Stückwerk.

Montag, 5. Dezember 2011

Die kalte Schulter

Nach "Zündels Abgang" (1984), "Festland" (1996) und "Am Hang" (2004) mein drittes Buch von Markus Werner und irgendwie hat mich "Die kalte Schulter" (1989) fast ein bisschen fröstelnd zurückgelassen. Doch möglicherweise lag es daran, dass mir Festland und Am Hang so gut gefallen hatten und die Erwartungen entsprechend gross waren. Leider wiederholen sich die Figuren und ihre Handlungsweisen, so könnte der Zündel ohne weiteres der direkte Cousin von Wank (die kalte Schulter) sein und dieser wiederum der Halbbruder von Loos (Am Hang), während Steinbach (der Vater in Festland) einen perfekten Onkel all dieser Protagonisten abgäbe. Insgesamt trotzdem sicher lesenswert, auch hier finden sich wieder einige sehr gut getroffene Dialoge über das Leben und seine Unzulänglichkeiten...

Sonntag, 18. September 2011

An einem Tag wie diesem

Einmal mehr Peter Stamm, im zweiten Teil der Ferien in Südengland (Isle of Wight) gelesen. Ein rastloser, oberflächlicher Protagonist, der zu keiner echter Freundschaft oder gar Liebe fähig scheint, taumelt launig und beliebig durch sein eigenes und das Leben anderer. Obwohl sich auch dieser Stamm leicht und mit Genuss liest, so blieb mir diesmal die Geschichte doch ziemlich fremd und erschient mir zeitweise auch etwas aufgesetzt und konstruiert. Und trotzdem freue ich mich bereits auf meinen nächsten Stamm...

Sonntag, 3. Juli 2011

Léon und Louise

Alex Capus ("Der König von Olten") neuer Roman schildert eine romantisch-tragische Lebensgeschichte vor dem Hintergrund zweier Weltkriege. Neben den beiden Titelfiguren, die sich in jungen Jahren in einander verlieben, sich dann jedoch immer wieder aus den Augen verlieren, fasziniert in diesem Buch vorallem wie Capus immer wieder ganz beiläufig Episoden und Anekdoten aus den Kriegsjahren einfliessen lässt. So liest man nicht nur eine Liebes- und Lebensgeschichte, sondern erfährt nebenbei sehr viel Interessantes über das Leben in Frankreich während des 1. und 2. Weltkrieges.

Montag, 13. Juni 2011

Inselsommer

Nein nein, hat nichts mit dem gleichnamigen Inga-Lindström-Film zu tun... Hier geht es um einen pummeligen, schrulligen Übersetzer, der in seinem selbst gewählten Exil auf einer französischen Atlantik-Insel an der Aufgabe, ein Werk von Vladimir Nabokov ("Ada") auf französisch zu übersetzen, beinahe scheitert... Eine gelungene Mischung mit den Themen Inselleben, Liebe, Erinnerungen und natürlich der Frage wie übersetzt man Nabokov...

Mittwoch, 1. Juni 2011

Zündels Abgang

Um dem Stamm-Virus etwas Einhalt zu gebieten, habe ich einen Abgang gemacht und mich Markus Werner ("Am Hang") zugewandt. Ein wahrhaftig zynischer Abgesang auf einen sich kontinuierlich selbst zerstörenden und eigenständig in den Abgrund stossenden Zeitgenossen, der einem doch irgendwie ein bisschen sympathisch bleibt. Wer hat nicht auch schon im Leben Momente erlebt, wo man am liebsten den Bettel hingeschmissen hätte und einfach nach Genua verreist wäre ohne weitere Spuren zu hinterlassen...? Zündel macht es. Zwar taucht er nochmals auf, doch nur um sich dann endgültig von dieser realen und herzlosen Welt zu verabschieden. Stark, frech, zynisch, bitter und irgendwie steckt halt doch ein bisschen Zündel in uns allen (aber zum Glück besiegen wir ihn immer wieder...).

Dienstag, 31. Mai 2011

Ungefähre Landschaft

Wie angekündigt bin ich Peter Stamm vorerst treu geblieben. Und wie das so ist wenn die Erwartungen hoch sind, mündet bereits ein gehaltenes Niveau in einer leichten (aber wirklich nur leichten) Enttäuschung... Wieder fasziniert Stamm mit seinen kurzen, aber unheimlich präzisen Sätzen und Bildern. "Der Morgen war silbern und klar." oder "Als die Polarlys am nächsten Tag Hammerfest anlief, war am Himmel eine erste Ahnung von Licht." Wunderbar. Und doch blieb mir dieses Mal die Geschichte etwas fremd, voran es liegt kann ich selbst nicht genau festlegen, vielleicht kam mir die Hauptfigur zu wenig nah, irgendwie war da immer diese Distanz zum Geschehen im Buch und obwohl der Spannungsbogen durchaus bis zum Ende hoch gehalten wird, berührte mich das Schicksal der Figuren nicht wirklich direkt sondern eben nur "ungefähr"... Aber insgesamt sicher trotzdem ein tolles Buch.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Der nächtliche Lehrer

Tipp von Peter Hamm im Literaturclub vom 21.12.2010. Ein guter Tipp, ein sehr stilles Buch, das sich und dem Leser viel viel Zeit lässt. Die Handlung wird in ihrer Gemächlichkeit durch ein unerwartetes Ereignis erschüttert und verliert sich dann wieder in einer endlos scheinenden Lebenswanderung des nächtlichen Lehrers. Naturverbunden, melancholisch, langsam. Aber lesenswert.
4 Sterne

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

Weihnachtsgeschenk von Andreas, besten Dank! Christian Haller, ein Schweizer Autor, fasst hier seine Kollumnen in der Aargauer Zeitung zwischen 2002 und 2009 in einem Buch zusammen. "Prosaminiaturen" wurden sie genannt. Jede einzelne dieser Geschichten ist wie ein kleines Licht im Dunkeln, das eine verglüht etwas rascher, das andere leuchtet etwas länger und heller. Und bevor ich selbst zum poetischen Philosophen werde, vergebe ich besser mal die Sterne...
4 Sterne