Sonntag, 8. September 2013

Nacht ist der Tag

Der neue Roman von Peter Stamm. Eine Frau verliert durch einen schweren Unfall nicht nur ihren Mann sondern auch ihr Gesicht und damit einen wichtigen Teil ihrer Identität. In der abgeschiedenen Bergwelt findet sie nach und nach Gefallen an ihrem neuen Job als Animatorin, an einem Künstler in Schaffenskrise und schliesslich an einem möglichen Neuanfang ihres Lebens. Wenn sich ein Roman in dieser Art zusammenfassen lässt, ohne dass ihm dabei allzu stark unrecht getan wird, dann fehlt offensichtlich der entscheidende Glanz. Wohlbemerkt, auch diesen Stamm habe ich gern gelesen, keine Frage. Doch nach dem begeisternden Erzählband "Seerücken" waren die Erwartungen hoch, zu hoch vielleicht. Insgesamt ein ordentliches Werk, leider aber irgendwo am Nachmittag angesiedelt, weder richtig heller Morgen und schon gar nicht schöne dunkle Nacht... 

Samstag, 24. August 2013

The Master


Der neue Film von Paul Thomas Anderson ("There Will Be Blood") mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffmann in den Hauptrollen - da muss eigentlich etwas Grosses rauskommen... dass es sich dabei in erster Linie um grosse Langweile handelt war wohl weder beabsichtigt noch zu erwarten. Wer sich wie ich anfangs noch mit der zweifelsohne gekonnten Interpretation eines alkoholsüchtigen Seemannes durch Phoenix über Wasser halten kann, verliert jedoch mit fortlaufender Aneinanderreihung bedeutungsschwangerer aber blutleerer Szenen spätestens aber der Filmmitte endgültig den letzten Halt und versinkt in einem Meer von sinnfreier Geschwätzigkeit und nicht endenwollendem Sektenfirlefanz. Sowas unterhält nicht, und es ergibt auch keinen tieferen Sinn, auch wenn dies wohl insinuiert werden soll. Ähnlich wie Terrence Malick bei "The Tree of Life" scheitert hier ein begabter Regisseur auf hohem Niveau, dafür aber auf der ganzen Linie. 

Dienstag, 30. Juli 2013

les beaux jours

Caroline, eine frisch und nicht ganz aus freien Stücken in den Ruhestand getretene Zahnärztin, findet keinen Zugang zu ihrer neuen Lebenssituation. Die Familie meint es gut und schenkt ihr einen Gutschein für einen Pensioniertenverein namens „les beaux jours“, wo sie neben einem skurrilen Kursangebot einen IT-Lehrer trifft und mit ihm in eine Affäre schlittert. Hört sich an wie eine Rosamunde Pilcher Adaption für Senioren? Leider nicht so daneben. Zwar überzeugt Fanny Ardant mit edlem und nuanciertem Rollenspiel, trotzdem schrammt der Film stets an der Grenze zur Peinlichkeit oder auf jeden Fall zum Kitsch vorbei. Eigentlich hätte man ihr ein anspruchsvolleres Drehbuch gewünscht, eines in welchem der Ausgang der Geschichte nicht bereits nach 20 Minuten klar ist. Der Fortgang des Erzählstrangs jedenfalls beleidigt die Intelligenz all jener, die im Kino mehr als einen hübsch verfilmten Kioskroman erwarten. Da hat ein französischer Film zu viele Kompromisse an den Mainstream gemacht. Zudem: Die Langsamkeit ist im Film ein wertvolles Gut, gerade heutzutage wo der schnelle Schnitt zur Mode geworden ist. Doch hier wird etwas Gutes nun auf die Spitze getrieben und damit in seiner Wirkung umgekehrt. In zu vielen Szenen wird die Botschaft mehrfach wiederholt, bis der geneigte Filmfan sich am liebsten aus dem bequemen Kinosessel erheben möchte und laut in den Saal schreien: "JAAA, wir haben es jetzt begriffen!"

Sonntag, 2. Juni 2013

Django Unchained

Der neue Tarantino gefällt über weite Strecken trotz Überlänge. Der Kult-Regisseur bedient sich der Kult-Western-Figur Django, wobei er in seiner gewohnten Art ein ästhetisch gefilmtes, mit Witz und Brutalität gespicktes Sklavenbefreiungs-Melodrama abmischt. Einen schwarzen Sklaven als Django (Jamie Foxx) zu besetzen ist durchaus ziemlich frech und mutig - mit Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson stellt Tarantino aber eine Nebendarsteller-Crew auf die Beine die ihresgleichen sucht und auf der Höhe der Schauspielkunst zu agieren vermag. Die Dialoge sind wie immer geschliffen scharf, die Bilder prächtig inszeniert, das Blut spritzt schön tomatig-rot wie eh und je, der Soundtrack rockt und die Story, naja, die Story ist ziemlich konventionell und trotz oder gerade wegen der vielen Referenzen an bekannte Western etwas altbacken.

Sonntag, 26. Mai 2013

Vampire Weekend - Diplomat's Son

Toll, toll, toll... heute die neue CD bestellt und die alten gleich dazu...

Freitag, 24. Mai 2013

Cloud Atlas

Tom Tykwer ("Das Parfum") und die Wachowski Geschwister ("Matrix") wagten sich an den als unverfilmbar geltenden Roman von David Mitchell. Selten sowas gesehen... fünf/sechs verschiedene Erzählstränge in den unterschiedlichsten Epochen der Menschheit werden in Staccato zum Teil mit den gleichen Schauspielern erzählt. Insbesondere Tom Hanks, aber auch Hugh Grant, Halle Berry, Jim Sturgess verbüffen mit ihren Verwandlungskünsten, daneben geht die rote Linie des Films in den unzähligen Schnitten innert kürzester Zeitspanne doch eher verloren. Teilweise wird alle zehn Sekunden die Erzählebene und damit auch die Epoche gewechselt, da muss man dann schon Obacht geben, dass man keiner Reizüberflutung erliegt. Aber insgesamt ein visuelles und zum Nachdenken anregendes Feuerwerk...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Anna Karenina

Der neue Film von Joe Wright wiederum mit der wunderbaren Keira Knightley (Pride & Prejudice, Atonement) nach dem weltbekannten Roman von Lew Tolstoi ist ein Wagnis. Die ganze Szenerie wird quasi in ein historisches Theatergebäude verlegt und die Schauspieler wechseln zwischen Zeitebenen und Örtlichkeiten indem sie sich von Tür zu Tür und Stockwerk um Stockwerk durchs Theater bewegen. Sowas hat man selten gesehen, gerade im Film, wo sich doch unendliche Möglichkeiten für Aussenaufnahmen und Trickmanipulationen bieten würden (und mit dieser Inszenierung ungenutzt bleiben). Doch nach den ersten gewöhnungsbedürftigen 10 Minuten überzeugt die Konzeption nach und nach und entwickelt ihren eigenen Charme. Wenn man einen solchen Klassiker wie Anna Karenina heutzutage verfilmt, dann durchaus mit einer solch eigenartigen, verwirrenden Variation.