Donnerstag, 20. März 2014

Trance

Der neue Film von Danny Boyle ("The Beach", "Slumdog Millionaire") treibt ein rasantes Verwirr-Spiel. Gleich mehrfach werden die vermeintlichen Erkenntnissen des Zuschauers auf den Kopf gestellt und das mit einem bereits aus den früheren Filmen von Danny Boyle bekannten tempogetriebenen Soundtrack. Eine prickelnde Prise Erotik ist auch dabei, das sei hier nicht verschwiegen. Unter dem Strich bleiben unterhaltsame anderthalb Stunden, von einem Meisterwerk zu sprechen wäre aber zweifellos verfehlt. 

Montag, 3. März 2014

Enough Said



Ein Beziehungsreigen aus Los Angeles, in dem eine geschiedene Frau einen ebenfalls geschiedenen Mann kennenlernt. Gleichzeitig kommt die Frau aber auch in Kontakt mit der Ex des netten und witzigen Herrn, die kaum ein gutes Wort über ihn zu verlieren weiss. Als ruhender Pol im Stile eines gutmütigen Seebären im Pensionsalter brilliert vorab der leider kürzlich verstorbene James Gandolfini als Albert, der trotz der Enttäuschung einer gescheiterten Ehe nicht in Selbstmitleid zerfliesst, sondern seinen Stolz und Humor zu behalten weiss. Gandolfini könnte man stundenlang zusehen, er überzeugt mit seinem geerdeten und reduzierten Mimenspiel auf der ganzen Linie. Doch leider wird ihm als Gegenpart die mehr als nervige Julia Luis-Dreyfus (Eva) an die Seite gestellt. Mit ihren dauerhaft aufgesetzten Grimassen (welche wohl lustig sein sollten - aber in Wahrheit schlicht peinlich berühren) und dem schauspielerischen Talent eines um einen Leckerbissen bettelnden Seehundes kommt da nichts Grosses raus. Es ist nicht so, dass man sich schlecht unterhalten fühlt. Die 90 Minuten (hier ein Lob: endlich mal wieder ein Film der nicht zu lang daherkommt) ziehen problemlos ins Land und Langeweile kommt kaum auf. Aber sicher kein Film der lange haften bleibt.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Wand

Eine interessante Ausgangslage: In einer abgelegenen Waldhütte alleine zurückgelassen, muss die Protagonistin (Martina Gedeck) bald erkennen, dass ihr nur noch ein "abgestecktes" Revier zugänglich bleibt und sie immer wieder auf eine unsichtbare "Wand" stösst die unüberwindlich scheint. Das Leben ausserhalb dieser Wand scheint zudem eingefroren zu sein. Während zu Beginn durchaus eine unheimliche Spannung aufgebaut wird, verliert der Film leider ab Entdeckung der Wand zusehends an Drive und endet schliesslich in einem Überlebenspsychdrama der durchschnittlichen und längst bekannten Art (vgl. z.B. "Cast Away" etc.). Da wäre viel mehr drin gewesen. Wieso wird die Wand nicht näher erforscht? Wieso nicht mal versucht sie an unterschiedlichen Stellen zu durchtrennen, zu erklimmen, zu untertunneln...? Da hätte ich mich jedenfalls besser unterhalten als mit den im Monolog zum Besten gegebenen hobbypsychologischen Plattitüden...

Donnerstag, 16. Januar 2014

The Hunger Games

Eigentlich wollte ich diesen Film ja gar nicht schauen, die Vorurteile waren "Teenie-Streifen" und "Jugendbuch-Verfilmung". Im TV auf dem entsprechenden Kanal hängen geblieben, muss ich nun aber eingestehen, dass dieser Streifen durchaus einen Sog zu entwickeln vermag und von mir zu Unrecht im Voraus abqualifiziert wurde. Die futuristischen Gadgets gefallen und sind originell in Szene gesetzt, die Schauspieler überzeugen bis in die Nebenrollen hinein und selbst die Handlung (da musste ja ein dickes Buch reingepresst werden) ist adäquat umgesetzt und spannend. Der repressive Staat und die Kostüme erinnern leicht an "Fahrenheit 451", ist das "Spiel" mal gestartet, wird geschickt mit Tempo und Stille der Takt gemacht.

Dienstag, 31. Dezember 2013

The Broken Circle

Dieser belgisch-holländische Film ist harte Kost. Gewinner des Panorama Publikumspreises an den Festspielen in Berlin, trifft uns hier ein an Tragik kaum zu überbietendes Beziehungsdrama mit geballter Wucht und hallt noch lange nach. Die Darsteller sind grandios, zu Recht gab es den Europäischen Filmpreis für Veerle Baetens als beste Hauptdarstellerin. Toll sind natürlich auch die Auftritte der Bluegrass Band, eine willkommene Ablenkung von der Dramatik der Story. Das lose Aneinanderreihen von Szenen und Fragmenten aus der Gegenwart oder Vergangenheit ist zwar anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, ergibt aber letztlich ein stimmiges Gesamtbild.

Only God Forgives

Der neue Film von Nicolas Winding Refn (Drive), wiederum mit Shooting-Star Ryan Gosling, da hat man zwangsläufig grosse Erwartungen. Kann "Only God Forgives" an den Kultfilm des Jahres 2011 angeknüpfen? Die Antwort lautet kurz und knapp: nein, zu keinem Zeitpunkt. Während "Drive" eine unfassbare Wucht gepaart mit einer Sensibilität und Intimität von seltener Güte vorwies, wird hier basierend auf einer mageren und uninteressanten Story ein auf stylisch getrimmter, blutiger aber letztlich blutleerer Rachefeldzug präsentiert. Die zwar einigermassen schön inszenierten Bilder reichen nie an einen Tarantino heran, die (spärlichen) Dialoge sowieso nicht, die Gewaltexzesse sind weder verstörend noch nötig sondern einfach nur doof, und auch Ryan Gosling bringt nicht viel mehr als melancholisch in die Kamera zu starren (was aber nicht ihm angelastet werden soll, er ist und bleibt der aktuell interessanteste Hollywood-Schauspieler). Die Nebenrollen sind schwach (so insbesondere die Mutter), die Lovestory zündet nicht (da fehlt eine wie Carey Mulligan), Soundtrack gibt es auch keinen anständigen - was bleibt da noch vom Glanz von Drive? Naja, vielleicht ein tolles Filmplakat mit Ryan Gosling (siehe oben).

Donnerstag, 26. Dezember 2013