Dienstag, 24. Dezember 2013

Inside Llewyn Davis


Der neue Film der Coen-Brüder überzeugt auf der ganzen Linie. In einem wunderbaren Schleier der Melancholik und Ästhetik begleiten wir den privat und beruflich scheiternden Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac, toll toll toll!) bei seinem K(r)ampf um eine Musikerkarriere im Amerika der 60er Jahre. Wer Folk-Musik liebt wird dahinschmelzen wenn Isaac seine intimen Songs dargibt, wer Folk zumindest mag, der wird gebannt diesen Live-Darbietungen lauschen und das Atmen dabei fast vergessen. Die Coen-Brüder, nach mehreren mediokren Pausenfüllern (z.B. Ladykillers, Burn After Reading oder zuletzt True Grit), lieferen hier nichts anderes als ihr besten Film seit "O Brother, Where Art Thou?" (2000) ab. Inszenierung, Fotografie, Timing, Dialoge, Ausstattung, Humor, Story, alles stimmt und der Soundtrack sowieso. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass auch die hinterletzte Nebenrolle hervorragend besetzt ist und damit sind nicht nur die bezaubernde Carey Mulligan, Dauercast John Goodman oder der erstaunlich coole Justin Timberlake gemeint.

Donnerstag, 28. November 2013

Am Hang

Die Intensität dieser Verfilmung, die auf dem brillanten Roman von Markus Werner beruht, steht und fällt letztlich mit den geschliffenen Dialogen und dem Mimenspiel der Protagonisten und in dieser Hinsicht haben die Darsteller ihren Job tadellos erledigt. In den Nebenrollen verflüchtigt sich das Niveau zusehends bis hin zu einzelnen Pausenclowns (Parkwächter Hotel), welche zwar in jedem Quartierzirkus die Kinder zum Lachen bringen würden, aber dem anspruchsvollen Kinopublikum eher ein Gähnen entlocken. Wer die Romanvorlage kennt, bleibt dank der gut adaptierten Dialoge und der schauspielerischen Leistungen trotzdem gerne am Tisch der Protagonisten beim feinen Weisswein (der reichlich fliesst) und wartet gespannt auf das unausweichliche Finale. Doch je näher wir uns diesem nähern, desto stärker wird das Stirnrunzeln. Als hätte ein schmieriger Hollywood-Agent sein Veto eingelegt und mehr Action verlangt, wird im letzten Viertel des Films leider der Versuchung, das offene Ende der Romanvorlage zu klären, nachgegeben und schliesslich fallen doch tatsächlich auch noch Schüsse. Damit verspielt Imboden einiges an erworbenem Goodwill, schade drum.

Mittwoch, 13. November 2013

The Place Beyond the Pines

Einmal mehr Ryan Gosling in Hochform und in einer Rolle die ihm geradezu auf den Leib geschneidert ist. Wie in "Drive" gibt Gosling einen introvertierten, desillusionierten Einzelgänger mit brachialem Gewaltpotenzial. Die Story wird gewissermassen in drei Teilen erzählt, die Geschichte des Draufgängers der zufälltig erfährt, dass er einen kleinen Sohn hat und darin einen neuen Lebensinn erkennt, die Geschichte des Polizistes der ihn nach einem Überfall stellt und dies dazu nutzt Karriere zu machen sowie schliesslich die Geschichte der beiden Söhne der Protagonisten. Die Eindringlichkeit einiger Szenen (vorallem solange Gosling noch auftritt) bleibt lange hängen, wird jedoch leider durch den überlangen letzten Teil mit den zwei Teenagern eher verwischt als verstärkt. So bleibt es unter dem Strich bei einem gut gemeinten, etwas überkonstruierten, aber ansehlich fotografierten Drama mit einem wunderbaren Ryan Gosling.

Dienstag, 12. November 2013

De Rouille et d' Os

Ein wuchtiger, eindringlicher Film, der mit der einen oder anderen überraschenden Wendung daherkommt. Herausragende Schauspieler in den Hauptrollen, eine Love-Story fern jeglicher Romantik. Ein Liebesdrama ohne garantiertes Happy-End, das merkt man bereits rasch einmal und umso gespannter folgt man dem Geschehen. Zwar kein Meisterwerk, aber ein guter, ehrlicher Film der Anerkennung verdient.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Lorde - Royals

Apropos verstörend - aber wunderbar: Lorde (17 Jahre alt!!)

The Purge

Da hatte ich wieder mal Lust auf einen Thriller mit Horroreinschlag - und gleich ein kleiner Glücksgriff. Ein verstörender Film ist da James DeMonaco gelungen, die deutliche Anlehnung bei Vorbildern wie John Carpenter (Assault on Precinct 13) und Wes Craven (Scream) schmälert den Genuss keineswegs. Ein bisschen David Fincher (Panic Room) und Michael Haneke (Funny Games) ist auch noch drin und auch das sind ja durchaus keine schlechten Referenzen. Natürlich haben wir hier kein Meisterwerk vor Augen, bewahre, aber der Plot zieht doch von Beginn an gut und gerade die Phase vor Einbruch der Nacht sowie der Auftritt der säubernden Meute kitzeln die Nerven durchaus ohne unnötiges Blutvergiessen. Die Wendungen zum Ende hin sind dann nicht ganz plausibel, aber hey, es handelt sich hier um einen Horrorstreifen... Ein bisschen zum Nachdenken regt das Ganze letztlich dann doch noch an, denn ganz so abwegig, wenn auch stark übertrieben und schematisiert, ist die Ausgangslage nicht...

Sonntag, 8. September 2013

Nacht ist der Tag

Der neue Roman von Peter Stamm. Eine Frau verliert durch einen schweren Unfall nicht nur ihren Mann sondern auch ihr Gesicht und damit einen wichtigen Teil ihrer Identität. In der abgeschiedenen Bergwelt findet sie nach und nach Gefallen an ihrem neuen Job als Animatorin, an einem Künstler in Schaffenskrise und schliesslich an einem möglichen Neuanfang ihres Lebens. Wenn sich ein Roman in dieser Art zusammenfassen lässt, ohne dass ihm dabei allzu stark unrecht getan wird, dann fehlt offensichtlich der entscheidende Glanz. Wohlbemerkt, auch diesen Stamm habe ich gern gelesen, keine Frage. Doch nach dem begeisternden Erzählband "Seerücken" waren die Erwartungen hoch, zu hoch vielleicht. Insgesamt ein ordentliches Werk, leider aber irgendwo am Nachmittag angesiedelt, weder richtig heller Morgen und schon gar nicht schöne dunkle Nacht...